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Legende des Klosters „Heilige Konstantin und Elena“
In den finstersten Tagen unserer Vergangenheit – als der bulgarische
Geist an den Ketten der Sklaverei festgenagelt, als in der Seele selbst das
letzte Fünkchen Menschlichkeit erloschen war, wurde in bulgarischen
Kirchen und Klöstern über Jahrhunderte hinweg das nationale
Selbstbewusstsein bewahrt. Doch irgendwann in diesen mühevollen Tagen schwappte die Flutwelle
einer fremden, fanatischen Religion auch in diesen stillen Hafen. In ihrem
Schoß die Missachtung des bulgarischen Menschen bergend, und die Hoffnung
ihn irgendwann zu beherrschen. Die Ungläubigen wussten, dass der Glaube im
Menschen immer auch die Furchtlosigkeit aufrecht erhält und sie
bekämpften diesen Glauben blindwütig mit Feuer und Schwert, damit
auch der letzte Keim jenes ungehorsamen Stammes vernichtet werde. Und in den
Flammen des lodernden Brandes und der Zerstörungen gingen auch die letzten
Hoffnungen für Jahrhunderte unter.
Die von den Pogromen heimgesuchten
christlichen Brüder verbargen ihren wertvollsten Besitz, den ungebrochenen
Glauben, und flüchteten wie aufgeschreckte wilde Tiere über die
Landstraßen, versteckten sich in der Wildnis oder kehrten erneut zu den
Aschehaufen ihrer ehemaligen Heimstatt zurück, um abermals von vorne zu
beginnen. Sie begannen mit neuer Kraft die Errichtung eines ewigen Tempels
für den rechtmäßigen Glauben Christi und den bulgarischen
Geist.
Im XVI. Jahrhundert, als sich die Kriege
des christlichen Europa endlich auch gegen die Horden der Ungläubigen
richteten, entlud sich die ganze Wut der Agarjanen (Türken) gegen die
restlichen versklavten, christlichen Völker und deren Konfession. Erneut
flammten die Brände der Vernichtung auf, wurde die Erde mit dem Blut der
Christen getränkt und über den alten christlichen Heiligtümern
rief der Muezzin zum Gebet. Erneut mussten die heiligen Brüder in die
Wildnis fliehen und die christlichen Lehren mit sich forttragen.
In diesen schweren Tagen voller Prüfungen, fanden einige
flüchtige Mönche in diesem urwaldähnlichen Gebiet unweit der
Meeresküste, nahe der alten bulgarischen Festung Varna Unterschlupf. Sie
waren mit wunden Füßen, verschiedenen Verletzungen und der Hoffnung
auf ein Obdach und Rast für ihre geschundene Seele hierher gekommen.
Schwarze Schatten bedeckten ihre Herzen; die alte Klosteranlage, zu welcher sie
zurückgekommen waren, lag in Schutt und Asche – von den Ungläubigen
zerstört und die meisten Mönche waren den Märtyrertod gestorben.
Es war, als ob sie Gottes Hand gemeinsam an diesem verborgenen Ort
zusammengeführt hätte. Nirgends im Umkreis fanden sie Reste von
menschlichen Behausungen und kein Weg oder Steg führte hierher. Die
Jahrhunderte alten, hohlen Bäume gaben ihnen Unterschlupf, der Wald
ernährte sie mit seinen Früchten und die alte heilkräftige
Quelle stillte ihren Durst.
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Die Waldbewohner ließen den ganzen Tag ihre
wohlklingenden Lieder in der Umgegend erschallen und erfüllten die Herzen
der Unglücklichen mit Hoffnung und Zuversicht. Ganz in der Nähe war
die Meeresbrandung zu hören aber die Brüder trauten sich
tagsüber nicht aus ihrem Versteck, aus Angst vor Entdeckung. Nur manchmal,
wenn die Nacht ihr schwarzes Tuch über dem Himmelsgewölbe ausbreitete
und kein einziges Sternlein mehr zu sehen war, kamen sie zum Strand. Öde
und menschenleer lag er da – nur von Überresten, einst hier an den Klippen
zerschellter Schiffe übersät.
So lebten die Mönche in Frieden, Glaube und Eintracht mit ihrem
Gott fernab der weltlichen Sündhaftigkeit. Als improvisierter Tempel
diente ihnen der Wald. So konnten ihre Gebete schneller zu Gott gelangen. Und
es gab auch keine Ikone, der sie ihre Gebete darbringen konnten. Kein
Glockenklang und kein Klopfbrett ermahnte sie, dass es Zeit zum Gebet
wäre. Nur die angenehme Stimme des Ältesten unter ihnen erinnerte die
Glaubensbrüder an den göttlichen Funken, den ein jeder in sich trug.
Einmal – in einer langen dunklen Nacht, als ein orkanartiger Sturm die
starken Äste der alten Bäume brach und in Richtung Meer trug, erklang
aus den riesigen Wellen ein Hilferuf. Die, vor den Naturgewalten erstarrten
Mönche trauten sich nicht aus dem Wald heraus. Als sie jedoch am Morgen,
nachdem sich der Sturm gelegt hatte, den Strand betraten, bot sich ihren Augen
ein schrecklicher Anblick. Gegenüber lagen die Wrackteile eines
großen Schiffes. Die Leichen Dutzender Seeleute wurden von den Wellen hin
und her geworfen oder lagen verstreut im Sand. Mit Trauer im Herzen
kümmerten sich die Brüder in christlicher Nächstenliebe um die
Toten. Einer der Körper bewegte sich noch und eine schwache Stimme war zu
hören. Erfreut hoben die Mönche den, nach Gottes Fügung
verschonten Körper, des Verunglückten und ein daneben liegendes
Bündel auf und trugen sie in den Wald.
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Nach einigen Tagen, als der Verunglückte zu sich gekommen war,
erzählte er den Brüdern seine unglaubliche Geschichte. Im Bündel
hatte er eine Ikone der Mäzene des Christentums, den beiden Heiligen
Konstantin und Elena. Der Retter der Ikone erwies sich als Abgesandter eines
orthodoxen Klosters in der Nähe von Zarigrad. Er war zum Kiewer
Mönchskloster geschickt worden, um die wundersame Ikone der beiden
Heiligen in die Stadt Konstantins zu bringen. Überlieferungen berichten,
dass diese Ikone gerettet und von einem unbekannten Mönch, während
der Zeit der türkischen Sklavenherrschaft über das Christentum
beiderseits des Balkans, ins Große Mönchskloster gebracht wurde.
Dank des Beistands der Heiligen Konstantin und Elena, wurden der
Abgesandte und die Ikone vor der
Vernichtung an dieser Gefährlichen Küste bewahrt. Aus Dankbarkeit
über die wunderbare Rettung schenkte der Abgesandte die Ikone den
Mönchen und bestimmte, dass an dieser Stelle eine Kirche errichtet werde.
Wie viel Zeit seither vergangen ist weiß niemand, aber an der
Stelle über der alten Heilquelle wurde eine kleine Kirche errichtet. Durch
die Anziehungskraft der Ikone kamen weitere Mönche hierher. Um die Kirche
herum wuchs ein Kloster, welches bis heute den Namen „Heilige Konstantin und
Elena trägt. Vielen Schicksalsschlägen war das Kloster in seiner
Geschichte ausgesetzt: Ausgeraubt, niedergebrannt und mehrfach durch die Ungläubigen
und Naturgewalten dem Erdboden gleich gemacht, erstand es immer wieder aufs
neue. Zu erhalten den christlichen Glauben und zu bewahren den lebendigen
bulgarischen Geist. Zu helfen den Unterdrückten und Leidenden.
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